Motivation

Warum uns unser Gehirn davon abhält, unsere Ziele zu erreichen

  • date
  • 8. Juli 2014

Unsere Ziele

Warum hält uns das Gehirn davon ab, Sie zu erreichen?

Gehirnaktivität

Du kennst bestimmt auch die Situation, dass du hochmotiviert bist, wenn du dir etwas vornimmst. Du hast klare Vorstellungen davon, was dein Ziel ist und wie du da hin kommst. Doch je länger du darüber nachdenkst, desto mehr wird das zuvor klare Bild immer diffuser. Du findest immer mehr Ausreden und lässt es dann bleiben.

Ich habe mehrere gute Nachrichten an dieser Stelle:

  • Mit diesem Problem bist du nicht allein!
  • Dein Verhalten ist ganz natürlich, so wie es die Evolution vorgesehen hat.
  • Das Einzige was dich von denen unterscheidet, die erfolgreich ihre Ziele realisieren, ist die Tatsache, dass du dein Gehirn noch nicht auf das neue Zeitalter der Nicht-Steinzeit trainiert hast.

“Unser Gehirn ist zu groß zum Abnehmen”

Der Grund, warum der Mensch so ein vergleichsweise großes Gehirn entwickelt hat, ist der, dass er keine anderen Waffen und Fertigkeiten besitzt, die ihm einen evolutionären Vorteil bieten.
Das nächste Lebewesen, dass seine Handlungen in der Zukunft planen kann, ist der Schimpanse. Bei ihm beträgt der Planungshorizont maximal 10 Minuten. Ein Eichhörnchen das Vorräte für den Winter bildet, plant nicht, sondern es handelt instinktiv. Diese Untescheidung ist ganz wichtig.

Unser Vorteil, der uns das Überleben ermöglicht hat, ist das Planen von Handlungen in der Zukunft. Planen heißt auch, Vor- und Nachteile abzuwägen und Impulse beziehungsweise Instinke zu unterdrücken. Wir sind sozusagen die Ober-Denker des Planeten. Das war auch nötig, da wir lange Phasen der Nahrungskarenz zu überbrücken hatten. Genauso mussten wir abwägen, ob wir ein gewisses Risiko eingehen, an Nahrung zu kommen. Denn wir haben immer noch keine besonderen Fertigkeiten wie Angriffs- oder Fluchttiere.

Evolutionär betrachtet haben wir besser überlebt, je größer unser Hirn war. Nun haben wir nach mehr als 100.000 Jahren Evolution inzwischen ein Gehirn, dass zwar nur circa 2% unserer Körpermasse ausmacht, aber 20% der Energie verbraucht.

Vom Machenschaftler zum Wissenschaftler

Das Problem ist heute aber, dass wir es geschafft haben, zumindest in den Industrieregionen dieses Planeten, das Leben so ungefährlich zu machen, dass wir das lange Planen von Schritten nicht mehr so machen müssen, wir es damals nöig war. (Natürlich gibt es noch Situationen, in denen diese Planen sinnvoll ist. Wir gehen hier aber speziell auf den Bereich der Verhaltensänderung ein!)

Dennoch überlegen wir viel zu viel, bevor wir handeln. Das führt dazu, dass wir immer wieder stagnieren. Wir sind eine Welt der Wissenschaftler und nicht der Machenschaftler geworden.

Dein Gehirn, welches dir helfen soll, Gefahren und Nutzen abzuwägen, sucht also, wenn du abnehmen willst, nach den ganzen “Gefahren”. Je länger du grübelst, desto mehr Argumente findet dein Gehirn, warum du das neue Verhalten nicht aufrecht erhalten solltest. In Deutschland haben wir dafür den Begriff des Inneren Schweinehundes erfunden. Nirgendwo auf der Welt gibt es dieses Wort.
Uns liegt scheinbar das Denken mehr als anderen Nationen. Ich vermute, dass es damit zu tun hat, dass wir bereits früh zur Uniformität, Zurückhaltung und Bescheidenheit erzogen werden. Stärker, als dies in anderen Ländern der Fall ist. So wird unser Gehirn noch besser auf “Lass das lieber bleiben” getrimmt.

Spontaner handeln hilft

Viele Coaches sagen uns, wir sollen im “Hier und Jetzt” leben. Wir sollten einfach anfangen. Und da ist wirklich etwas dran. Denn wer sich etwas vornimmt und nicht innerhalb der ersten 72 Stunden die nächsten Schritte unternimmt, wird dieses Vorhaben wieder sein lassen.
Am besten kann man dem Inneren Schweinehund umtrainieren, indem man ihn einfach zeigt, dass die “Gefahren”, die er sich ausdenkt, gar nicht wahr sind.
Das funktioniert nur, wenn man ihm über mehrere Wochen hinweg diesen Beweis liefert. Und hier ist das Problem der meisten Ansätze, wenn jemand sein Verhalten ändern will.

Die Axt im Wald?

Du nimmst dir wahrscheinlich vor, ab morgen ALLES und zwar wirklich ALLES richtig zu machen, damit du so schnell wie möglich an dein Ziel kommst. Das funktioniert auch 3 Tage lang.

Doch dann packt dich die Realität des Alltags und du schaffst nur noch 50% von dem, was du dir vorgenommen hattest. Was übrigens gut ist und immer noch zum Ziel führen würde.

Spätestens nach 2 Wochen sagst du dann aber, dass du es sowieso nicht schaffst, weil es einfach zu anstrengend ist. Es ist den Aufwand nicht wert.

Zack, der Innere Schweinehund hat wieder Recht gehabt und wird beim nächsten Mal noch stärker in deinem Kopf mit dir diskutieren.

Überzeuge deinen Schweinehund dezent

Damit dir das nicht noch mal passiert, solltest du ihn mit kleinen Änderungen aus seinem Pessimismus-Haus locken.

Beispiele:

  • Anstatt jeden Tag jede Mahlzeit jetzt perfekt zu machen, solltest du dir vornehmen, in der ersten Woche das Abendessen zu verbessern. In der zweiten Woche kannst du dich dann um das Frühstück kümmern.
  • Anstatt so viel Sport wie möglich zu treiben, solltest du mit kleinen Schritten anfangen. Entweder jeden Tag 10 Minuten oder zwei Mal pro Woche 45 Minuten. Das kannst du immer noch jede Woche um 5 Minuten verlängern.

Das Wichtige ist, dass du dich nicht überforderst. Sobald es zu viel Aufwand im Alltag bedeutet, wirst du es schnell wieder lassen. Du musst es also in den Alltag “mogeln”, damit der Innere Schweinehund das gar nicht mitbekommt. Deine neuen Verhaltensweisen müssen sozusagen unter seinem “Schweinehund-Radar” bleiben.
Das Tolle daran ist, wenn man dies regelmäßig betreibt, dann wird der Innere Schweinehund immer ruhiger. Und zwar in allen Lebensbereichen. Das heißt, er wird dich weniger beim Sport, im Beruf oder beim Umsetzen anderer Vorsätze ausbremsen, weil dein Selbstbewusstsein ihm gegenüber größer wird.

Bild: flickr.com © BlatantNews.com